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Innovationstreiber in Südösterreich

Gemeinsam suchen Kärnten und Steiermark den Weg in europäische Forschungsprogramme und messen sich als Innovationsstandort an den Besten in Europa. Innovationsgespräche der Innoregio Süd beim Messtechnikkonzern Anton Paar in Graz.

v.l.n.r.: Martin Kraft (CTR), LR Christopher Drexler, Wolfgang Pribyl (JR Forschungsges.), Friedrich Santner (Anton Paar GmbH), Jochen Pildner-Steinburg (Präs. IV-Stmk.), Claudia Mischensky (GF IV-Kärnten), LH-Stv. Gaby Schaunig, Peter Mendler (Refert 71 Baden-Württemberg), Peter F. Tropschuh (Audi AG)

Seit Jahren lädt sich die Innoregio Süd, eine von den Industriellenvereinigungen der Steiermark und Kärntens initiierte Plattform der wichtigsten Innovationsakteure der beiden Bundesländer Gäste aus ganz Europa ein. Sich an den besten in Europa zu messen, hat die Regionen weiter gebracht. Die Steiermark liegt mit ihrer Forschungsquote von 4,7 Prozent nur knapp hinter Baden-Württemberg, dem deutschen Top-Automobil-Standort mit 5,1 Prozent Anteil der Forschung am Bruttoregionalprodukt. Gleich zwei Referenten präsentierten bei den Innovationsgesprächen das dort ganz auf die wirtschaftliche Umsetzung ausgerichtete Innovationssystem. Kärnten liegt übrigens mit seiner Forschungsquote von 2,8 Prozent an dritter Stelle im österreichischen Bundesländervergleich, dazu deutlich über dem EU-Schnitt von zwei Prozent. IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky sprach von einer dynamischen Entwicklung sowohl bei der Zahl der Unternehmen als auch bei der Zahl der Forscher.

So sehr IV-Steiermark-Präsident Jochen Pildner-Steinburg die „befruchtende Kooperation im Süden Österreichs hervorhebt, so sehr appelliert er dann aber doch, die knappen Mittel effizient einzusetzen und Parallelstrukturen zu vermeiden. Für ihn spielen die Menschen die wichtigste Rolle in der besseren Vernetzung der Regionen. Kärntens Technologiereferentin, LH-Stv. Gaby Schaunig, betonte, dass wissenschaftliche Exzellenz in einem Bundesland allein nicht funktioniere und belegte das etwa am Beispiel der Kooperation von Kärntner Unternehmen mit der TU Graz in Sachen Reinraumtechnik. Auch der steirische Landesrat Christopher Drexler will die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik intensivieren.

 Rein ins EU-Forschungsnetzwerk!
Der erste Referent der Technologiegespräche, Martin Kraft vom Forschungszentrum Carinthian Tech Research in Villach, machte dann klar, dass eine Entwicklung des Forschungsstandorts im Süden Österreichs eng mit einem systematischen sich Einklinken in das neue europäische Forschungsnetzwerk verbunden ist. Als Expert-Reviewer für das von der EU dafür völlig neu aufgestellte Programm „Horizon 2020“ sieht er wenig Probleme für die in Kärnten wie der Steiermark stark forschenden großen Leitbetriebe, die schon jetzt gut in internationalen Projekten präsent sind.

Was in bisherigen Programmen nicht funktioniert habe, sei die Einbindung von KMU und häufig auch die Verwertung der Projekte, weil etwa wichtige Glieder in der Wertschöpfungskette gefehlt hätten. Vieles sei im „Valley of Death“ zwischen Grundlagenforschung und Umsetzung gescheitert. Das werde sich mit „Horizon 2020“ massiv ändern. 60 Prozent der Mittel stünden für Projekte mit klar definiertem Anwendungsbereich zur Verfügung. Man werde in Zukunft mit einem Industriebetrieb als Lead-Partner bessere Chancen haben als früher. Mindestens drei Länder seien weiter Pflicht, ein Partner mit Erfahrung bei Projektanträgen jedenfalls geboten, so Kraft.

19 Mrd. Euro für Forschung
Baden-Württemberg hat die Wertschöpfungsketten in beispielhafter Weise verdichtet, wie Peter Mendler, Leiter des Referats für Industrie und Technologiepolitik der Region schilderte. Ein enges Netz von Hochschulen, angewandter Forschung (Fraunhofer, Helmholtz, Max Planck etc.), Clustern und Leitbetrieben stemmt ein Forschungsvolumen von 19 Mrd. Euro, 15,6 Mrd. (80 Prozent) davon kommen aus der Wirtschaft. Hier findet sich alles, was in den Sektoren Automotive und Maschinenbau Bedeutung hat, in direkter Nachbarschaft.

Die beeindruckenden Zahlen kulminieren in der gigantischen Produktivitätssteigerung der VW-Tochter, die inzwischen 19 Produktionsstandorte weltweit unterhält: Produzierte ein Mitarbeiter in den 80er Jahren noch im Schnitt 9,3 Fahrzeuge pro Jahr, so waren es 2013 schon 35,8! Dabei sorgt das Unternehmen überall dort, wo es produziert, für das entsprechende Umfeld. In Mexico finanziert man etwa Krankenhäuser für die Mitarbeiter, in Italien und Ungarn hat man nur für Audi eine Lehrlingsausbildung eingeführt. Die besten Mitarbeiter zu haben und zu halten, bedeutet sehr viel. Derzeit beschäftigt das Unternehmen, das mit Unis und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt kooperiert, 149 Doktoranten, die zwischen 100.000 und 120.000 Euro pro Kopf kosten. 80 Prozent von ihnen bleiben Audi erhalten. Den Herausforderungen einer immer globaleren Wirtschaft, eines schärferen Wettbewerbs und den Problemen beim Gewinnen von talentierten Fachkräften stellt Mendler die drei Erfolgsfaktoren der Region gegenüber:

  • Offenheit für technologische Entwicklungen
  • Offenheit für neue Märkte
  • Offenheit für Menschen, die kommen