Skip to main content
Archiv

IV Posis 2012

Gleich drei steirische Industrievertreter haben Schlüsselpositionen in der regionalen Forschungsgovernance. AT&S Vorstandsvorsitzender DI Andreas Gerstenmayer und FIBAG Vorstand DI Dr. Mario J. Müller wurden in den steirischen Forschungsrat berufen, wobei DI Gerstenmayer zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt wurde. Infineon Geschäftsführer DI Stefan Rohringer übernahm von Dr. Bernhard Rebernik den Vorsitz im Industrieforum F&E. Die IV-Positionen befragten die Forschungsstrategen zu beruflichen und privaten Innovationen.

Gerstenmayer 040R13x18

Andreas Gerstenmayer

Was zeichnet die Forschungslandschaft in der Steiermark aus?
Das exzellente Netzwerk aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Betrieben, das sich über Jahre aufgebaut und entwickelt hat. Unterstützt wurde dies durch das Grundverständnis der Politik, dass Innovation der einzige Weg für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik darstellt. So befinden sich heute ein Großteil der Kompetenzzentren in der Steiermark, die Aufwendungen für Forschung- und Entwicklung im Land liegen im europäischen Spitzenfeld und viele ansässige Unternehmen genießen in ihren Bereichen eine weltweit anerkannte Position.

Welche Chancen und welche Herausforderungen erwartet die industrielle F&E in den nächsten Jahren?
Die größte Herausforderung sehen wir in der richtigen Differenzierung zum globalen Wettbewerb in den nächsten Jahren. Wir können nicht in allem gut sein – es gilt mutig die Frage zu beantworten, wo und in welchen Bereichen die Steiermark in den nächsten Jahrzehnten hervorstechen sollte. Gutes Grundlagenverständnis, dessen gezielte Anwendung und die Ableitung neuer Produkte daraus ermöglicht uns, weiterhin in gewissen Bereichen im globalen Wettbewerb an der Spitze vertreten zu sein.

Was ist Ihre Forschungsvision für den Technologiestandort Steiermark?
Die Steiermark sollte in 10 Jahren in mindesten 5 technologischen Bereichen global eine führende Rolle eingenommen haben. Dazu zählt, dass die Universitäten und Forschungseinrichtungen in diesen Bereichen eine global anerkannte und sichtbare Stellung eingenommen haben, die in der Steiermark vorhandenen Netzwerke gut strukturiert sind und somit zur internationalen Sichtbarkeit beitragen und natürlich dass die Betriebe in diesen Bereichen sich erfolgreich am Weltmarkt behaupten können.

DrMueller@FIBAG_PressePortrait

Mario J. Müller

Was zeichnet die Forschungslandschaft in der Steiermark aus?
Die steirische Forschungslandschaft ist plektisch! – einfach und komplex zugleich! – einfach und geordnet in den Strukturen der Fachinstitutionen (Universitäten, Fachhochschulen, private und industrielle Forschungszentren) – komplex und synergetisch in Vernetzungen wie Clustern (wie ECO World Styria, AC Styria, HTS) oder Kompetenzzentren und gesellschaftlich verwoben in Kooperationsstrukturen (wie SFG, Forschungsrat, Industrieforum F&E).
Es ist die Plektik der industriellen F&E die uns die Chancen bieten wird, sofern wir in der Lage sein werden inter-, multi- und transdisziplinär zu denken und zu agieren – die Forschungslandschaft der Steiermark braucht Mut zur Sichtbarmachung ihrer Leistungen und ein Bekenntnis zur Orientierung „Gemeinsam sind wir mehr“ – dann kann die Steiermark global reüssieren!

Was ist Ihre Forschungsvision für den Technologiestandort Steiermark?
Der Technologiestandort Steiermark braucht eine gemeinsame Vision, eine Utopie im Sinne eines Leitbildes das sowohl den Nachwuchs motiviert als auch etablierte Betriebe anlockt – diese Vision lautet für mich „Green Tech Valley Styria“ – der größte gemeinsame Nenner für die Steiermark – seit 40 Jahre schlägt die Steiermark als grünes Herz von Österreich – jetzt erweitern wir das Herz durch Hirn in Form der hohen, plektischen Konzentration an Eco-Technologie-Unternehmen. Wir können alle  Themen der Gesellschaft wie Energie, Mobilität, Lebensqualität, Sicherheit und Gesundheit gemeinsam darin abbilden und erreichen gleichzeitig globale Sichtbarkeit.

Wo waren Ihre letzten Innovationen im Berufsleben, wo im Privatleben?
Im Berufsleben sicherlich die wegweisende Kooperation mit Prof. Grätzel und die daraus abgeleitete Entwicklung von PV-Modulen ohne Silizium – im Privatleben die tagtäglichen zum Teil epochalen Erlebnisse mit meiner Tochter auf Ihrem Weg ins Leben!

Welche bahnbrechende Innovation und Erfindung wünschen Sie sich privat?
Jede Fiktion erwirkt einen Keim zur Realitätswerdung: ich wünsche mir einen Weltraumlift – für eine Fahrt in den Orbit/Weltraum ohne CO2 Emission 😉  …dies würde nicht nur mir einen Wunsch erfüllen, sondern könnte die Raumfahrt revolutionieren!!

IV-ST-P7-18 Stefan Rohringer_HK mit Produkt_459

Stefan Rohringer

Was zeichnet die Forschungslandschaft in der Steiermark aus?
Es gibt in der Steiermark meiner Erfahrung nach eine sehr gute Verzahnung zwischen universitärer Grundlagen- und angewandter Forschung und industrieller Forschungstätigkeit. Wir haben in diesem Bundesland große Industrieunternehmen, einige davon fungieren auch als weltweite Firmenzentralen. Das schafft eine gute Voraussetzung für intensive F&E Tätigkeit. Die Zusammenarbeit von Universitäten mit Industrieunternehmen ist bereits eine intensive – und wird weiterhin ausgebaut.

Welche Chancen und welche Herausforderungen erwartet die industrielle F&E in den nächsten Jahren?
Die Steiermark wird eng mit seinem Logo, dem „grünen Herzen“ Österreichs verbunden. Meine Vision ist, dass das grüne Herz sinnbildlich auch ein „grünes Hirn“ dazubekommt. Denn schon heute verfügen wir über hohe Kompetenzen im Bereich der Mobilität, Energieeffizienz, Produktion und Biotechnologien. Unser Image sollte diese Kompetenzen stärker öffentlich machen.

Wo waren Ihre letzten Innovationen im Berufsleben, wo im Privatleben?
Infineon hat in der Sicherheitstechnologie einen hochinnovativen Sicherheitsbaustein hervorgebracht. Dieses Produkt nutzt in der Welt der Chipkarte erstmals die 90 Nanometer-Technologie und verfügt über eine für den Kunden selbständig programmierbare, kostengünstige Flash-Technologie bei gleichzeitig höchster Sicherheit. Das Schöne an Innovation im Privatleben ist, dass vieles davon unbemerkt stattfindet. Dennoch nutze ich und viele andere Menschen die positiven Auswirklungen von Innovation – zum Beispiel bei der Start/Stop Technologie in unserem Kleinwagen. Wir benützen die Dinge und merken, dass vieles leichter wird.

Welche bahnbrechende Innovation und Erfindung wünschen Sie sich privat?
Da das Beamen wohl noch ein Weilchen dauern wird, bis es Realität sein wird, würde ich mir das immer saubere, also selbstreinigende Auto wünschen, dessen Spritverbrauch so schnell sinkt wie die Leistungsfähigkeit von Halbleitern immer schon gestiegen ist.

 

Kurzbiographien

DI Andreas Gerstenmayer, Jahrgang 1965, hat Produktionstechnik in Rosenheim studiert. Nach beruflichen Stationen bei Siemens AG, Siemens Transportation Systems GmbH und als geschäftsführender Gesellschafter des FOCUSON Consulting Unternehmens ist er seit 2010 Vorsitzender des Vorstandes der AT&S AG.

DI Dr. Mario J. Müller, Jahrgang 1969, hat an der TU Graz in technischer Physik promoviert und war danach am renommierten Forschungszentrum CERN tätig. Seit 2005 ist er in der SFL technologies Prokurist und seit 2006 zusätzlich Vorstand der FIBAG.

DI Stefan Rohringer, Jahrgang 1964, schloss in Wien das Studium der Elektrotechnik ab und erwarb in den USA einen MSc. 1988 trat er in die Siemens ein und wechselte 1999 zur Infineon AG. Er leitet den Standort Graz, der innerhalb des Konzerns mit ca. 240 Stamm-MitarbeiterInnen und 60 Projekt-MitarbeiterInnen einen entscheidenden Schwerpunkt der Forschung darstellt.